Einleitung

Asphalt aus dem biblischen Baustoff Bitumen

"Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! - und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel..."

Bitumen, auch Erdharz, Erdpech oder Montanwachs genannt, gehört offensichtlich zu den ältesten natürlichen Baustoffen, die die Menschheit kennt und auch verwendet. Das Zitat stammt immerhin aus dem Alten Testament (Genesis 1 Mose 11.4).

Bitumen nennt man in der Natur direkt vorkommende, oder aus fossilen Naturstoffen gewonnene teerartige, feste bis flüssige Kohlenwasserstoffgemische mit thermoplastischem Verhalten. Sie sind braungelb bis schwarz gefärbt. Zusätzlich mit Mineralstoffen gemischt, heißen sie Asphalte. Auch Asphalte wurden und werden direkt in der Natur gefunden und abgebaut.

Um den stetig wachsenden Bedarf der modernen Industriegesellschaft an diesen vielseitig einsetzbaren Baumaterialien zu decken, wurden und werden sie allerdings vorrangig technisch hergestellt und durch immer weiter optimierte Destillationsverfahren, Zuschlagstoffe und Mischverhältnisse in ihrer technischen Verwendbarkeit perfektioniert.

Waren Bitumen und Asphalt in vorchristlicher Zeit und in der Antike beliebte und vielfältig eingesetzte Baumaterialien, gerieten sie im mittelalterlichen Okzident fast völlig in Vergessenheit. Ihre neuzeitliche Verwendung als Straßen- und Wegebelag begann in Europa erst um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert herum.


Asphaltierte Schlagadern der Moderne

Aus der heutigen mobilen Gesellschaft ist Asphalt als der wohl am weitesten verbreitete Straßenbelag nicht mehr wegzudenken. Unsere persönliche Bewegungsfreiheit und die Versorgung mit den Dingen des alltäglichen Lebens sind ohne die weit verzweigten Verkehrsadern, die nicht nur Deutschland sondern ganz Europa durchziehen, nicht mehr denkbar.

Neben seinem Einsatz im Verkehrswegebau findet Asphalt aber auch im Hoch- und Industriebau vielfältigste Verwendung. Das reicht vom Gussasphaltestrich im privaten Wohnbau, bis hin zu speziellen Bodenbelägen in Parkhäusern, Bürokomplexen oder großen Werkhallen. Kaum ein Gebäude, dass heute im Fundamentbereich nicht mit bituminösen Anstrichen gegen Nässe und Feuchtigkeit gedichtet wird. Und auch der Wasserstraßenbau wäre ohne den Baustoff Asphalt nicht in seiner heutigen Form möglich.

Im Jahre 2008 wurden 51 Millionen Tonnen Asphaltmischgut hergestellt und verarbeitet. 23 Prozent davon aus wiederverwendetem ausgebautem Altasphalt. Der mit Abstand größte Teil wird dabei für Verkehrsflächen verwendet.


Wiederverwendbar und von großer Umweltfreundlichkeit

Das Thema Wiederverwendung steht spätestens seit der ersten großen Energiekrise in den 1980er Jahren auf der Tagesordnung. Schließlich wird auch für technisches Bitumen, wie für Benzin und Diesel, Erdöl als Rohstoff benötigt. Eine drohende Verknappung und damit verbundene immense Preissteigerungen für Erdöl führten zur Entwicklung entsprechender technischer Möglichkeiten für die Wiederverwendung der beim Rück- und Umbau anfallenden Asphaltmengen. Dabei kommen dem Baustoff Asphalt hinsichtlich seiner Wiederverwendbarkeit die thermoplastischen Eigenschaften des Bindemittels Bitumen zugute. Asphalt kann durch schonende Erhitzung replastifiziert werden, d. h. der Vorgang von Erweichung und Erhärtung durch Abkühlung ist umkehrbar und wiederholbar.

Spätestens seit 1996 ist Wiederverwendung auch gesetzlich vorgeschrieben, denn seither macht das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz den Produzenten während des gesamten Lebenszyklus für sein Produkt verantwortlich. Rund 80 Prozent des ausgebauten Asphalts werden neu gemischtem Asphalt zugegeben, der Rest wird anderweitig neu verbaut, unter anderem als Bestandteil von Lärmschutzwällen.

Einer der besonderen Vorteile von Asphalt liegt in der Art seiner Verarbeitung. So wird er in der Regel in industriellen Mischwerken dem vorgesehenen Einsatzzweck entsprechend als fertige Mischung hergestellt und in einbaufähigem Zustand, das heißt erwärmt, ausgeliefert und vor Ort dann direkt eingebaut. Durch seine Eigenschaft der relativ schnellen Abkühlung und Aushärtung wird ein schneller Baufortschritt gewährleistet und bei Reparaturen und Erneuerungen von Fahrbahnbelägen beispielsweise gibt es keine langen Ausfallzeiten von Verkehrsflächen.

Hinsichtlich gesundheitlicher Auswirkungen durch austretende Dämpfe und Aerosole bei einer Heißverarbeitung von Bitumen verweist der Deutsche Asphaltverband (DAV) e.V. auf eine Studie des Fraunhofer Institutes für Toxikologie und Experimentelle Medizin in Hannover, bei der keine statistisch relevanten Belastungen registriert wurden.

Zur weiteren Reduzierung der ohnehin als relativ gering eingestuften CO²-Belastungen wird im Straßen- und Hochbau zunehmend auch sogenannter Niedrigtemperaturasphalt eingesetzt. Asphalt, so der DAV, ist nicht nur wegen des geringen Ausstoßes von Treibhausgasen ein umweltfreundlicher Baustoff, sondern auch wegen weiterer Eigenschaften. So führten offenporige Asphaltdeckschichten beispielsweise zu einer Verminderung des Verkehrslärmes von bis zu 5 Dezibel.



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